Gastgeberin und Übersetzerin

Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Bamna Dadashzadeh Ghasabeh

Interaction-Design-Studentin Bamna Dadashzadeh Ghasabeh nutzt Design als Grundlage neuer Diskurse und schätzt den Einbezug verschiedener Perspektiven – für sie ein wichtiger Teil des Studiums.

VON FREDERIC POPPENHÄGER
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Frederic Poppenhäger: Wieso hast du dich für Interaction Design entschieden?
Bamna Dadashzadeh Ghasabeh: Interaktion ist ein grundlegendes Bedürfnis, das unterschiedlich verstanden und praktiziert wird. Hier öffnet sich ein riesiges gestalterisches Feld. Mich faszinieren insbesondere gesellschaftliche und psychologische Faktoren, die ins Interaction Design einfliessen.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Im Rahmen meiner Masterarbeit recherchiere ich über Kommunikation, Solidarität und Kollaboration. Ich untersuche, wie kulturelle Faktoren – beispielsweise der «Individualismus»-Trend – diese Bereiche beeinflussen. Dazu ist bereits viel geforscht worden, doch die Erkenntnisse sind verstreut, komplex und nicht immer einfach zugänglich. Sie sind jedoch prägend für die heutigen Herausforderungen und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft.

Was hat es mit deinen «Poetry Performances» auf sich?
Die Poetry-Performances dienen dazu, ungreifbare Phänomene und komplexe Emotionen in einen räumlichen und multisensorischen Kontext zu setzen. Die Performances sind eine Einladung in einen Garten der Vulnerabilität, in die Welt von erfassten Geschichten und vor allem, in die eigene Gefühlswelt.

Wie definierst du persönlich Design?
Design ist für mich eine Sprache, die komplexe Themen einem breiten Publikum zugänglich macht. Design ermöglicht es mir, Gastgeberin und Übersetzerin zu sein – ich lade Menschen in neue Erfahrungswelten ein, in denen sie sich selbst mit einem Thema befassen können. Design schafft Grundlagen für neue Diskurse und Verhandlungen.

Wie ist deine Sicht auf die ZHdK?
Nach einiger Zeit im Berufsleben bin ich für das Masterstudium wieder an die ZHdK zurückgekehrt und stelle fest, dass ein Wandel – auch unter den Studierenden – stattgefunden hat. Wir sprechen heute gesellschaftliche Themen an, die vor einigen Jahren noch nicht beachtet wurden. Dies schafft eine erste Grundlage für eine gemeinsame Weiterentwicklung – doch es ist ein langer Prozess. Wichtig ist, dass die Bedürfnisse verschiedener Akteure gehört und befriedigt werden.

Wie würdest du deine Vision umschreiben?
Ich erachte eine Gesellschaft, die Ambiguität toleriert, als erstrebenswert: eine Gesellschaft, die uns ermutigt, von anderen zu lernen, und uns erlaubt, unsere Ansichten zu ändern. Kritisch zu denken bedeutet auch, kritisch gegenüber den eigenen Vorstellungen zu sein. Doch dafür braucht es eine gesellschaftliche und institutionelle Kultur, die dies fördert. Letztlich stehen wir vor kollektiven Herausforderungen, die wir nicht mit einer individualistischen Haltung angehen können. Ich wünsche mir, dass wir neugierig sind auf das, was wir nicht kennen, und pragmatisch genug, um in Ungewissheit navigieren zu können. Wir müssen dabei auch mutig genug sein, uns Ziele zu setzen, die heute noch nicht vorstellbar sind.

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