Brücken schlagen mit Strassentheater

Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Leon Blohm

Schauspielstudent Leon Blohm wünscht sich ein Theater ohne Schwellen und Hürden, das den direkten Dialog fördert.

VON BIANCA BAUER
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Bianca Bauer: Wieso hast du dich für ein Theaterstudium entschieden?
Leon Blohm: Ich bin in einem sehr kleinen, ländlichen Dorf in Norddeutschland aufgewachsen und bereits als Kind mit dem Theater in Kontakt gekommen. Die regelmässigen Besuche im lokalen Freilufttheater mit meiner Mutter waren prägend. Diese ausdrucksstarke und spielerische Kunstform hat mich von Anfang an magisch angezogen, und der Wunsch, in diesem Kunstfeld tätig zu sein, ist mit mir mitgewachsen. Als ich Anfang zwanzig war, war mir klar: Ich werde Schauspiel studieren.

Was schätzt du am Theater?
Das Menschsein. Wir begegnen uns auf Augenhöhe, lernen Konflikte und Missverständnisse auf konstruktive Weise zu lösen, können zwischen den Zeilen lesen und verstehen die Nuancen. Ich schätze auch die Arbeit in interdisziplinären Gruppen und würde mir etwas mehr davon wünschen. Im Studium sind wir in der Gessnerallee zu Hause, die unglaublich intim und charmant ist, uns aber von anderen Studiengängen abschottet. Ich vermisse den Kontakt zu anderen Studierenden und geniesse es, wenn ich für einzelne Projekte durchs «Toni» streifen kann und dort zum Beispiel Musik und Tanz begegne.

Hast du ein aktuelles Projekt, an dem du arbeitest?
Ein Projekt, das ich schon lange in mir trage und dieses Jahr realisieren werde, ist «Strassentheater». Es hat noch keinen offiziellen Namen, und den braucht es vielleicht auch gar nicht. Ich möchte einfach auf der Strasse den Menschen begegnen und ihnen das Theater als Kunstform näherbringen. Der direkte Dialog mit den Passant:innen ist sowohl für mich wie auch für das Theater eine Chance, Brücken zu schlagen. So können alle, die mir begegnen, unabhängig von ihren Ressourcen, Theater hautnah und reduziert auf seine Essenz erleben.

Wie stellst du dir das Theater der Zukunft vor?
Für mich ist es ein Theater jenseits der 50-Franken-Eintrittskarten. Ein Theater für alle, ohne Schwellen und Hürden. Eines, das draussen stattfindet, mit dem Publikum spielt und interagiert. Das Theater der Zukunft sucht den Dialog und erzählt Geschichten, die das Leben reflektieren. Die Konzentrationsspanne hat sich durch die Neuen Medien und Erzählformen verändert. Wir sehen uns einen Film auf dem Laptop an, kommunizieren zeitgleich mit Freunden und scrollen dabei beiläufig auf Instagram. Das Theater der Zukunft hält dem stand, kreiert einen Ort, der Präsenz einfordert und einen zurück in den Moment, ins Leben bringt.

Leon Blohm ist aktuell zu sehen im Theaterprojekt «Fiume – ein historisches Stück», das am 6. und 7. August an den Roten Kulturtagen im Volkshaus aufgeführt wird.

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Bianca Bauer (bianca.bauer@zhdk.ch) ist Kommunikationsverantwortliche des Departements Darstellende Künste und Film der ZHdK.
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