Das Glück im Tanzraum

Photos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Gion Treichler

Contemporary-Dance-Student Gion Treichler trainiert acht Stunden am Tag, fünf oder sechs Tage die Woche. Tanzen ist für ihn Glück pur. In seinem Studium lernt er neben Choreografien auch, über sich selbst hinauszuwachsen.

VON LEA INGBER
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Lea Ingber: Wieso hast du dich für den Bachelor Contemporary Dance entschieden?
Gion Treichler: Der Studiengang bietet für mich die bestmögliche Vorbereitung, um professioneller Bühnentänzer zu werden. Unser Alltag kommt der Realität in einer Tanzkompanie sehr nahe: Morgens haben wir Technikstunden, nachmittags Proben. So gewöhnt man sich an lange Tage. Zudem gibt es an der ZHdK nur eine Klasse pro Jahrgang. Dadurch kennt man sich untereinander, und das Programm wird auch individuell auf die Studierenden zugeschnitten. Wir können zum Beispiel Einzelstunden bei Trainern und Trainerinnen buchen. Das schätze ich sehr, und es hilft mir auch, mich stetig weiterzuentwickeln.

Was hast du Neues gelernt?
Ich komme vom Ballett, habe die Tanz Akademie Zürich (taZ) und die Ballettschule für das Opernhaus Zürich besucht. Jetzt habe ich mehr Contemporary-Stunden und lerne dadurch neue Techniken. Wir haben viele Gastdozierende, was neue Facetten des Tanzens mit sich bringt. Man muss sich immer wieder neu einstellen. Das hat mich persönlich enorm weitergebracht. Zum Beispiel habe ich mich anfangs mit akrobatischen Elementen schwergetan. Durch das Studium habe ich heute mehr Mut, Neues auszuprobieren, und traue mir auch mehr zu.

Was bedeutet Tanzen für dich?
Tanzen ist für mich ein grosses Glück und eine immense Freiheit. Durch das Tanzen kann ich mich persönlich ausdrücken. Ich kann dabei alles vergessen. Auch wenn ich kaputt bin und Muskelkater habe: Sobald ich in ein Tanzstudio darf, beflügelt mich die Musik. Im Tanzstudio bin ich immer glücklich.

Als männlicher Tänzer bist du ja oft in der Unterzahl.
In der professionellen Welt hat es etwa gleich viele Männer wie Frauen. Aber gerade in jungen Jahren ist man als Knabe oft allein, was schade ist. Dabei ist es wirklich ein Klischee, dass Knaben nicht gerne tanzen. Trotzdem werden sie aber von ihrem Umfeld zum Teil weniger gefördert oder trauen sich nicht. Es wäre schön, wenn mehr Jungs die Leidenschaft fürs Tanzen entdecken würden.

An welchem Projekt arbeitest du momentan?
Eines der Highlights im zweiten Studienjahr sind die Auditions. Wir stellen uns Tanzkompanien für ein Internship im dritten Studienjahr vor. Normalerweise reist man dafür zu Kompanien, oder die Direktoren kommen zu uns. Aufgrund der Coronasituation ist jetzt aber alles unsicher. Die ZHdK ermöglicht es uns, ein professionelles Bewerbungsvideo mit Ballett- und Contemporaryübungen sowie einem Solo aufzunehmen.

Welches ist dein Ziel nach dem Studium?
Ganz klar: Ich möchte in einer Tanzkompanie arbeiten, irgendwo auf der Welt.

Wer oder was verdient eine Renaissance?
Ich fände es toll, wenn in Klubs wieder mehr Standardtänze getanzt würden. Und die Menschen könnten mehr Briefe schreiben. Ich zum Beispiel verschicke im Moment gerne Postkarten.

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