Kunst ohne Grenzen

Steering Group der Biennial Conference 2020 mit Mitgliedern von ELIA und der ZHdK anlässlich eines Treffens im Toni-Areal 2019. Foto: ZHdK

Steering Group der Biennial Conference 2020 mit Mitgliedern von ELIA und der ZHdK anlässlich eines Treffens im Toni-Areal 2019. Foto: ZHdK

Die European League of Institutes of the Arts (ELIA) trifft sich digital an der ZHdK

Vom 17. bis 20. November 2020 ist die ZHdK Gastgeberin der ELIA Biennial Conference. Mehr als 260 Kunsthochschulen und -universitäten aus rund 50 Ländern sind eingeladen. Unter dem Titel «Expanding the Arts» will die Konferenz die Grenzen der Kunst ausloten. In Zeiten von Corona seien solche Diskussionen wichtiger denn je, sagen Maria Hansen, ELIA-Generaldirektorin, und Basil Rogger, Projektverantwortlicher auf Seiten ZHdK.

von Lea Ingber

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Lea Ingber: «Expanding the Arts» – wieso haben Sie dieses Thema für die Konferenz gewählt?
Maria Hansen: An der Biennial Conference 2020 dreht sich alles um Transdisziplinarität. Wir untersuchen die mutigsten und innovativsten Ideen. Zum Beispiel stellt Christine Böhler von der Universität für angewandte Kunst in Wien das Programm «Cross-Disciplinary Strategies» vor, das Methoden verschiedenster Disziplinen vermittelt und dadurch der fortschreitenden Fragmentierung der Wissenschaften entgegentritt. Kunsthochschulen müssen die aktuellen technologischen und sozialen Veränderungen aufgreifen, um die Welt von morgen mitzugestalten. Das verdeutlicht ein zweites Beispiel der Konferenz: Die Universität der Künste Berlin und die Technische Universität Berlin berichten über das neue, gemeinsame Masterprogramm «Design and Computation».

Was kann die ZHdK den Teilnehmenden zum Thema Transdisziplinarität vermitteln?
Basil Rogger: Wir wollen aufzeigen, wie Transdisziplinarität an unserer Hochschule seit Jahren gelebt wird und welch grosse Chancen sich ergeben, wenn Menschen aus Art Education, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz und Theater unter einem Dach zusammen studieren, forschen und lehren. Wir an der ZHdK sind mit unserem grossen Gebäude und der modernen Infrastruktur natürlich privilegiert. Wir wollen aber zeigen, dass es auch für kleinere Institutionen möglich ist, über Disziplinen, Formate und Medien hinweg zusammenzuarbeiten.

Sie kündigen «the most participatory biennial yet» an.
Maria Hansen: Dieses Jahr richtet sich die Konferenz explizit auch an Studierende. Denn wie können wir über die Zukunft sprechen, ohne die Studierenden zu Wort kommen zu lassen? Wir wollen die Stimme der Studierenden in unsere Gespräche einbinden und von jungen, talentierten Menschen lernen.

Basil Rogger: Wir hoffen, dass möglichst viele Dozierende mit ihren Studierenden an der Konferenz teilnehmen. Das war bis jetzt leider nicht die Regel. Es ist sicherlich einer der Vorteile, welche die digitale Umsetzung der Konferenz mit sich bringt.

Genau, die Konferenz wird dieses Jahr aufgrund der Coronasituation digital durchgeführt – eine Premiere für ELIA und die ZHdK.
Basil Rogger: Wir waren Mitte März mit der Planung fertig. Und dann mussten wir nochmals von vorne beginnen und die Konferenz für das digitale Format völlig neu konzipieren. Da stieg zwar die Nervosität, aber auch die Experimentierfreude.

Haben Sie nie überlegt, die Konferenz abzusagen?
Maria Hansen: Es war uns ein Anliegen, unseren Mitgliedern gerade in diesem turbulenten, geschichtsträchtigen Jahr trotz der Dramatik der Ereignisse etwas zu bieten. Wir sehen, welche fatalen Folgen die Coronakrise für kulturelle Institutionen hat. Aber wir entdecken auch neue Möglichkeiten, innovative Formate und Formen. Deshalb passt das Motto «Expanding the Arts» umso besser: Genau jetzt brauchen wir mutige Ideen und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Welches ist die grösste Herausforderung im Rahmen einer digitalen Konferenz?
Basil Rogger: Bei Konferenzen geht es um mehr als bloss Inhalte, die von prominenten Gastrednerinnen und -rednern präsentiert werden. Es geht um Networking, um das Aufeinandertreffen an einem Ort, ums Beisammensein. Es sind viel Kreativität und technisches Know-how gefragt, um diesen direkten persönlichen Austausch angemessen zu ersetzen. Wir möchten die Teilnehmenden und uns selbst mit experimentellen Formaten des digitalen Beisammenseins überraschen.

Das Programm beinhaltet über 40 Präsentationen und Workshops, darunter Keynote Speeches der New Yorker Künstlerin und Schriftstellerin Coco Fusco und des isländischen Performancekünstlers Ragnar Kjartansson. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Maria Hansen: Ich freue mich besonders auf den Austausch mit vielen unserer Mitglieder, wenn leider auch nur digital. Wir versuchen, mit einem kleinen Team nach Zürich zu reisen, um dieses Abenteuer gemeinsam an der ZHdK zu erleben.
Basil Rogger: Am meisten freue ich mich auf die Beteiligung der Studierenden. Im Fall der ZHdK namentlich der School of Commons, aber hoffentlich auch vieler weiterer Studierender von hier und aus der ganzen Welt.

Die Biennial Conference 2020 findet vom 17. bis 20. November statt und richtet sich an alle Dozierenden und Studierenden der Mitgliederinstitutionen. ELIA (European League of Institutes of the Arts) zählt mehr als 260 Mitglieder aus rund 50 Ländern und vertritt mehr als 300’000 Studierende.
Maria Hansen ist seit 2017 Generaldirektorin von ELIA. Zuvor leitete sie die Stadsschouwburg & Philharmonie Haarlem und die Niederländische Bachvereinigung.
Basil Rogger (basil.rogger@zhdk.ch) ist Leiter Geschäftsstelle des Dossiers Veranstaltungen der ZHdK. Er lehrt zudem im Bachelor Design, im Master Art Education und im Master Transdisziplinarität.
Lea Ingber (lea.ingber@zhdk.ch) ist Projektleiterin in der Hochschulkommunikation der ZHdK.
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