Kinderherzen mit Musik erobern

Musik ist für José Sifontes ein Werkzeug, um besser mit dem Leben zurechtzukommen und es geniessen zu können. Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt José Sifontes

José Sifontes hat die Vision, Menschen Musik beizubringen, um Lebensfreude und Emotionen zu wecken – besonders die Arbeit mit Kindern steht für ihn im Vordergrund seines Studiums der Musik und Bewegung.

VON CHRISTINA WALLAT
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Christina Wallat: Du willst durch Musik die Welt verändern. Was heisst das konkret?
José Sifontes: Ich möchte nur die Welt der Menschen, die ich in Musik unterrichte, verändern. Das heisst, dass sie lernen, Musik als Werkzeug zu benutzen, um besser mit dem Leben zurechtzukommen und es mithilfe von Musik geniessen zu können.

Was bedeutet die Arbeit mit Kindern für dich, und warum eignet sich Musik dafür besonders gut?
Die Kindheit ist perfekt, um die Freude an der Musik zu wecken. Kinder lernen schnell, spielerisch und ohne Stress. Es macht Spass, zu sehen, wie sehr man mit der Musik die emotionale Seite der Kinder öffnen kann.

Du kommst aus Venezuela – welchen Stellenwert haben Musik und Bewegung in deiner Heimat?
Musik und Bewegung sind Teil von uns Venezolanern. In der Schweiz habe ich erlebt, dass man zum Beispiel an Geburtstagsfeiern trinkt, isst und viel spricht. In Venezuela gehört nebst viel essen auch viel tanzen dazu. Musik und Bewegung/Tanz sind Teil jeder Feier, damit drücken wir unsere Emotionen aus.

Warum hast du dir die ZHdK als Studienort ausgesucht, und wurden deine Erwartungen an das Studium bis jetzt erfüllt?
Ich wusste, dass ich Kindern Musik näherbringen wollte. In Venezuela ist die Situation diesbezüglich schwierig. Darum habe ich einen anderen Ort gesucht, um meine Ziele zu erreichen. Ich hatte viel Glück und bin vielen guten Menschen auf meinem Weg begegnet, die mir geholfen haben, hier in der Schweiz studieren zu können. Das Studium hat bis jetzt alle meine Erwartungen übertroffen. Das Toni-Areal ist ein wunderbares Gebäude, in dem man gerne studiert, die Fächer sind sehr interessant und herausfordernd und die Dozierenden einfach toll.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium? Kehrst du nach Venezuela zurück?
Seit meiner Jugend ist mein Plan, Musik zu unterrichten und irgendwo auf der Welt zu leben. In Venezuela habe ich alles, was ich über Musik weiss, gelernt, und ich bin dankbar dafür. Eines Tages möchte ich die Gelegenheit haben, mit einem Musikprojekt etwas zurückzugeben. Im Moment werde ich aber nicht nach Venezuela zurückkehren, weil meine Frau bald ein Baby bekommen wird.

Was inspiriert dich?
Hart arbeitende Menschen. Sie bringen mich dazu, mich zu fragen: «Wie kann man so viel leisten? Kann ich das auch?»

Welche Person ist dein grösstes Vorbild, und wie hat sie deine Biografie beeinflusst?
Ich bin vielen grossartigen Leuten begegnet und habe von ihnen gelernt. Deshalb ist es schwierig für mich, nur eine Person als mein grösstes Vorbild zu wählen. Ich würde aber sagen, dass meine Eltern meine grössten Vorbilder sind. Sie sind hart arbeitende Menschen, ehrlich und lieb, und sie haben mir geholfen, gute Entscheidungen im Leben zu treffen.

Welches sind die grössten Herausforderungen, die du seit der Corona-Krise zu meistern hast?
Die grösste Herausforderung ist, produktiv zu bleiben. Zu Hause bin ich «too relaxed».

Wer oder was passt gar nicht zu dir?
Negative Leute. Ich mag es nicht, mit Leuten zusammen zu sein, die sich die ganze Zeit beschweren oder die traurig sind, die nur über Probleme sprechen oder die permanent an sich zweifeln und meinen, ihre Ziele nicht erreichen zu können.

 

 

 

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