Der Drang, etwas zu schaffen

Mit ihrem Projekt #BlackGirlMagic will Cherry-Ann Davis die Magie der afrikanischen Frau erforschen. Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Cherry-Ann Davis

Cherry-Ann Davis ist Grafikdesignerin aus Trinidad und Tobago. Durch ihre Arbeit will sie Stereotype und Narrative aufbrechen. Ihr liegt vor allem eine positive Darstellung afrikanischer Frauen am Herzen.

VON FREDERIC POPPENHÄGER
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Frederic Poppenhäger: Warum hast du dich auf visuelle Kommunikation spezialisiert?
Cherry-Ann Davis: Visuelle Kommunikation hat mich schon immer fasziniert. Seit meiner frühesten Kindheit, als ich in einer verarmten und ausgegrenzten Gemeinschaft aufgewachsen bin, ist Kunst mein Zufluchtsort. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Lebenssinn darin bestehe, «etwas zu schaffen, irgendetwas». Seit den Kritzeleien, die mich als Kind in Schwierigkeiten gebracht haben, habe ich meinen Stil weiterentwickelt und nach produktiven Wegen gesucht, diese kreative Energie zu kanalisieren und meine Karriere voranzutreiben.

Woran arbeitest du derzeit?
Eines meiner Herzensprojekte ist #BlackGirlMagic, eine Serie digitaler Porträts, die die Magie der afrikanischen Frau erforschen. Viele der Bilder schwarzer Frauen, die von den Mainstream-Medien geschaffen werden, werfen ein negatives Licht auf sie, und ich wollte dieser Sichtweise etwas entgegensetzen. Meine Art und Weise, dies zu tun, besteht darin, die weichere Seite der oft falsch dargestellten, stereotypen «wütenden schwarzen Frau» zu zeigen; etwas Elegantes und Anmutiges: eine Frau, die in jedem Zustand schön ist. Meine Auseinandersetzung mit der bestehenden Darstellung betont, dass unsere Schönheit keine Version der Schönheit ist, sondern Schönheit an sich.

Welchen Sinn und Zweck hat die visuelle Kommunikation in unserer Gesellschaft?
Meiner Meinung nach ist unsere Gesellschaft sehr visuell: Wir teilen und erhalten Nachrichten und die meisten Informationen über Bildschirme. Visuelle Kommunikation ist der beste Weg, uns und die Geschichten, die wir erzählen, zu teilen und die Menschen mit uns und unseren Geschichten in Kontakt zu bringen. Meiner Meinung nach ist visuelle Kommunikation die Weiterentwicklung des Grafikdesigns mithilfe des technologischen Fortschritts – entsprechend den gesellschaftlichen Bedürfnissen.

Was hast du vor deinem Studium an der ZHdK gemacht?
Bevor ich in die Schweiz gezogen bin, war ich in einer führenden kreativen Position im karibischen Finanzsektor tätig. Ich habe mich über sechs Jahre von der Büroassistentin über die Verwaltungsassistentin bis zu meinem Traumberuf der leitenden Grafikerin hochgearbeitet. Mit einem Freund begann ich auch einen Blog, der sich auf die Präsentation der Lebensmittel-, Lifestyle- und Modeindustrie von Trinidad und Tobago konzentrierte.

Wer oder was passt überhaupt nicht zu dir?
Was mir nicht passt, ist eine eingeschränkte Sicht auf bestehende Möglichkeiten, da ich generell ein hoffnungsvoller Mensch bin. Vieles lässt sich erreichen, wenn man richtig plant und Chancen nutzt oder Gelegenheiten wahrnimmt, wo es nicht unbedingt welche gegeben hat.

Welche Pläne hast du nach dem Studium?
Nach meinem Studium werde ich mein eigenes Unternehmen gründen, das Unternehmensberatung im Bereich Werbung und Design anbieten wird. Ausserdem würde ich gerne mehr Schnittmuster für Mode und Innendesign entwerfen, was ich zurzeit am liebsten mache.

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