Mehr Raum für Kreativität, Langeweile und Experimente

Während der Corona-Zeit kann Zainab Erbudak Lascandri ihre Kunst nur via Internet vermitteln, wie an diesem Zoom-In Festival von Swissnex am 9. April 2020. Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Interdisziplinäre künstlerische Projekte begleiten Zainab Erbudak Lascandri seit ihrer Jugend. Im Master Transdisziplinarität verbindet sie ihre Erfahrungen aus Theater, Film, Musik, Szenografie und Performance.

VON MARTINA EGLI
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Martina Egli: Wieso hast du dich für den Master Transdisziplinarität entschieden?
Zainab Erbudak Lascandri: Im Rausch meiner künstlerischen Projekte bleibt mir kaum Zeit, meine Arbeit zu reflektieren. Der Studiengang Transdisziplinarität gibt mir Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit meiner eigenen künstlerischen Position und deren Umgebung: etwa den Formen der Zusammenarbeit.

Woran arbeitest du gerade?
Die Auflagen des Bundes in Bezug auf COVID-19 hatten einen sofortigen Stopp all meiner Konzerte, meiner Arbeit als Szenenbildnerin auf einem Kinofilmset und meines Projekts für das Bühnenbild eines Theaterprojekts zur Folge. Momentan konzentriere ich mich auf eine Textarbeit, die im Wechselspiel mit meiner praktischen Masterarbeit entstehen soll. Der Text hinterfragt den Backstage-Bereich im philosophischen, symbolischen und architektonischen Sinn als Zwischenraum. Parallel dazu arbeite ich an meinem Bandprojekt, dem Duo None Of Them.

Was bedeutet produktiv sein für dich?
Für mich gibt es ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen, um produktiv zu sein. Manchmal hilft es mir, mich Methoden oder Strukturen hinzugeben. Manchmal versuche ich mir Raum ohne zeitlichen und ökonomischen Druck zu schaffen, um experimentieren zu können. Manchmal ist es der Moment der Langeweile, der mir Produktivitätsimpulse gibt. Auf alle Fälle gehört dazu der bewusste Versuch, Ideen praktisch oder theoretisch zu verfolgen und umzusetzen.

Was inspiriert dich?
Momente, Menschen, Objekte oder auch abstrakte Begebenheiten, die mich irritieren.

Wer oder was passt gar nicht zu dir?
Gewohnheiten nicht zu verändern, passt gar nicht zu mir.

Was würdest du in Zürich verändern?
Aus meiner utopischen Perspektive gäbe es Zürich nicht mehr, es wäre schlicht ein Teil unserer Erde. Wir hätten ein Gesellschaftskonzept, in dessen Rahmen die Menschen weniger mit Stigmata der geografischen und kulturellen Herkunft, des sozialen Status, der sexuellen und religiösen Orientierung oder der gewünschten familiären Struktur konfrontiert würden. Wir hätten mehr Raum und Zeit für Lebewesen, qualitative Arbeit, Freizeit, Kreativität, Langeweile und Experimente.

 

Martina Egli (martina.egli@zhdk.ch) ist Kommunikationsverantwortliche des Departements Darstellende Künste und Vermittlung der ZHdK.
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