Mit Pilzen Identitätsfragen ergründen

Mit kleinen Pilzen aus Keramik beleuchtet Ishita Chakraborty Themen wie Migration oder Identität. Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Ishita Chakraborty

Die Kunst von Fine-Arts-Studentin Ishita Chakraborty ist stark von ihrer eigenen Migrationsgeschichte geprägt. Ihr Werk «What Leaf? What Mushroom?» entwickelt sie mit Immigrantinnen und Immigranten an der Autonomen Schule Zürich weiter.

VON GIULIA ADAGAZZA
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Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für das Studium im Master Fine Arts entschieden?
Ishita Chakraborty: Ich habe in Indien an der Rabindra Bharati University in Kolkata bereits einen Master in Fine Arts abgeschlossen. Danach lehrte ich Design an der Amity University Kolkata. Während dieser Zeit bewarb ich mich für ein Artist-in-Residence-Programm im Gastatelier Krone in Aarau. Ich blieb ein halbes Jahr in der Schweiz und besuchte während dieser Zeit auch die ZHdK. Ich fühlte mich sofort wohl und wusste, dass ich gerne hierhin zurückkehren würde. Nun hat es geklappt, und es ist toll, wieder Studentin zu sein.

Wurden deine Erwartungen an das Studium bis jetzt erfüllt?
Ja. Mir gefällt insbesondere, dass die Hierarchien an der Hochschule sehr flach sind und das eigene, freie Denken gefördert wird. Das waren wichtige Voraussetzungen für mich, um ein Studium an einer europäischen Hochschule wie der ZHdK anzutreten.

Was inspiriert dich?
Während meiner Kindheit bin ich mit meiner Familie sehr oft innerhalb Indiens umgezogen, und nun bin ich nach Europa ausgewandert. Meine persönliche Migrationsgeschichte hat meine Kunst massgeblich geprägt. Identität und Sprache sind zwei Hauptpfeiler meiner künstlerischen Arbeit.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Ich entwickle meine Arbeit «What Leaf? What Mushroom?» weiter. Eine Installation, die aus Tausenden von kleinen Keramikpilzen besteht. Die Installation beleuchtet Themen wie Migration, Identität und die Koexistenz verschiedener Kulturen. Wie findet man mit einem Migrationshintergrund seinen Platz in einer neuen Kultur? Bleibt man als Immigrantin stets Teil einer kleinen innerhalb einer grossen Gemeinschaft? Das sind Fragen, die ich mir bis heute stelle. Die Installation soll dereinst aus 10 000 Pilzen bestehen. Ich plane Workshops mit Immigrantinnen und Immigranten an der Autonomen Schule Zürich, in deren Rahmen gemeinsam Pilze kreiert werden. Es freut mich unglaublich, dass ich im Jahr 2021 meine Arbeiten an der Biennale Internationale de Casablanca in Marokko ausstellen darf.

Welches Kunstwerk hat dich zuletzt begeistert?
Die Installation «Covering Letter» des zeitgenössischen indischen Künstlers Jitish Kallat, die ich an der Biennale in Venedig gesehen habe. Er projiziert einen Brief Gandhis an Hitler auf einen Wasserfall aus Rauch. Diese Art von politischer Kunst begeistert mich.

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Giulia Adagazza war Projektleiterin in der Hochschulkommunikation der ZHdK.
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