Isabel Mundry: «Wenn mich etwas gefährdet hat, dann waren es die eigenen Zweifel»

Isabel Mundry, Professorin für Komposition an der ZHdK, spricht in «Wie entsteht dabei Musik?» über ihren Ausbildungsweg.

«Wenn mich etwas gefährdet hat, dann waren es die eigenen Zweifel. Aber ich hatte auch einen eisernen Willen: Von dem Tag an, an dem ich entschieden hatte, Komposition zu studieren, hatte ich im tiefsten Inneren die Überzeugung, dass ich musikalisch etwas zu sagen habe und dass meine musikalische Vorstellung unmittelbar etwas mit meiner Art zu denken zu tun hat, aber ich hatte ab und an grosse Krisen, ob ich diesen Punkt auch erreichen kann. Manchmal habe ich mir komische Fristen gesetzt, wie: Jetzt schreibst du noch das eine Stück, und dann wirst du sehen, ob du weitermachst. Letztlich hätte ich mir gesagt: Du bist eine Komponistin, die nicht den Weg zu ihren Komponisten gefunden hat. Es gibt Stücke von mir, in denen ich ein Problem abstrakt durchexerziert habe. Sie sind spröder, weil ich etwas auf den Punkt bringen wollte. Aber ich glaube, dass alle meine Stücke ganz stark getragen sind von einer musikalischen Erfahrung, die erst einmal ihre eigenen Wege geht, unabhängig von den Fragen, die mich gerade beschäftigen. Ohne tiefe Liebe zur Musik wären all diese Stücke nicht entstanden. Ganz konkret zum Thema Zwölftönigkeit: Harmonik ist ein heikles Thema in der Neuen Musik. Ich habe zunächst einmal herumexperimentiert mit Allintervallreihen u.s.w., habe aber immer gemerkt, dass ich in letzter Instanz nichts schreiben kann, was mich nicht vom Ohr her, also sinnlich überzeugt. Ich habe meine Techniken gewonnen aus der Erfahrung, dass die schreibende Hand gegen die Konzeptionen revoltiert. Eine bestimmte Art des Konzipierens funktioniert nicht, und ich glaube, dass meine Musik heute individueller ist, weil ich nach und nach an den Techniken für die sinnliche Erfahrung gearbeitet habe. Aber das war ein langer Weg, und die Stücke am Ende des Studiums sind doch noch anders.»

Das Zitat von Isabel Mundry stammt aus folgender Publikation:
Werner Grünzweig, Wie entsteht dabei Musik? Gespräche mit sechs Komponisten und einer Komponistin über ihre Studienzeit, von Bockel Verlag, Neumünster 2019, S. 121

Isabel Mundry antwortet auf die Frage, ob die Art, wie sie das Eigene kommuniziert, sie nicht auf ihrem Weg behindert habe.

Isabel Mundry (isabel.mundry@zhdk.ch) ist Professorin für Komposition an der ZHdK.
Kongress: Notation – Schnittstelle zwischen Komposition, Interpretation und Analyse
4.–6.10.2019, Toni-Areal, verschiedene Räume, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
zhdk.ch/veranstaltung/39773

Gastkomponisten
Olaf Nicolai:
28.–29.10.2019, Toni-Areal, verschiedene Räume, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
zhdk.ch/veranstaltung/39775

Helmut Lachenmann:
7.–10.11.2019, Toni-Areal, verschiedene Räume, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
zhdk.ch/veranstaltung/40046
zhdk.ch/veranstaltung/40078
zhdk.ch/veranstaltung/40201

Erkki-Sven Tüür:
13.3.2020, Toni-Areal, verschiedene Räume, Pfingstweidstrasse 96, Zürich

Lange Nacht – Artikulationen in der zeitgenössischen Musik
13.12.2019, Toni-Areal, verschiedene Räume, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
zhdk.ch/veranstaltung/40239

Uraufführungsabende mit neusten Werken der Kompositionsstudierenden
16.1.2020, Toni-Areal, 7.K12 Konzertsaal 3, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
6.3.2020, Toni, Areal, 7.K05 Konzertsaal 1, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
29.5.2020, Toni-Areal, 7.K05 Konzertsaal 1, Pfingstweidstrasse 96, Zürich

Daniela Huser (daniela.huser@zhdk.ch) ist Kommunikationsverantwortliche im Departement Musik der ZHdK.