Wohlfühlorte aus Karton

Jennifer Kos in ihrem Arbeitszimmer in Baar. Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Jennifer Kos

Jennifer Kos studiert Art Education in der Vertiefung Ästhetische Bildung und Soziokultur. Inspiration findet sie in allerlei Materialien – sie hat während ihres Praktikumssemesters mit Psychiatriepatientinnen und -patienten Wohlfühlorte aus Karton inszeniert.

VON GIULIA ADAGAZZA
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Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für die Vertiefung Ästhetische Bildung und Soziokultur entschieden?
Jennifer Kos: Kunst und Architektur haben mich schon immer interessiert. Ich begann nach der Matur Kunst & Medien an der ZHdK zu studieren. In diesem Studium hatte ich für meinen Geschmack aber zu viele Freiheiten, und ich vermisste etwas mehr Struktur. Ich brach das Studium deshalb ab und absolvierte eine Lehre als Hochbauzeichnerin. Im Berufsalltag merkte ich jedoch, dass ich nicht nur im Büro und am Computer arbeiten wollte, und fand so den Weg zurück an die ZHdK. An diesem Studiengang gefällt mir das ausgewogene Verhältnis zwischen Praxis und Theorie. Ich besuche beispielsweise Vorlesungen in Psychologie, Didaktik und Kunstgeschichte und kann gleichzeitig künstlerisch tätig sein und Projekte umsetzen.

Wie sieht das konkret aus?
Ich habe gerade mein Praktikumssemester absolviert. Im Living Museum der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wil habe ich ein Vermittlungsprojekt zum Thema Raum und Raumwahrnehmung entwickelt. Ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten durften mit Karton Wohlfühlorte inszenieren. Es war bereichernd und spannend, direkt mit Menschen zu interagieren und das Projekt ihren Bedürfnissen und Vorkenntnissen anzupassen.

Was inspiriert dich?
Am meisten inspirieren mich Materialien. Schon als Kind habe ich alles Mögliche gesammelt, um später damit zu gestalten. Das mache ich bis heute. In meinem Arbeitszimmer in Baar steht ein alter Apothekerschrank, der mit gesammelten Stoffen, Lederresten, Draht und Steinen in den verschiedensten Farben und Grössen gefüllt ist. Jede Schublade birgt ein Geheimnis und inspiriert mich für neue Projekte.

Brauchen wir Kunst?
Ja. Kunst ist ein Ausdrucksmittel, wenn wir mit Worten an Grenzen stossen. Sie hilft uns innezuhalten und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Dein Traumberuf nach dem Studium?
Ich will in meinem Beruf meine Passion für die Kunst und das Gestalten an andere Menschen weitergeben. Im Moment kann ich aber noch nicht sagen, wo und wie ich das tun werde. Mir gefällt die Vorstellung, meine berufliche Zukunft und die dazugehörige Tätigkeit selber neu zu erfinden.

Wo bist du am liebsten in Zürich?
An der Schanzengrabenpromenade. Dort kann man wunderbar an der Sihl spazieren und einen Abstecher in den botanischen Garten machen.

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