«Sound ist ein mächtiges Medium»

Fotos: Regula Bearth © ZHdK

Studierendenporträt Andri Schatz

Bereits als Jugendlicher hat Andri Schatz in den Bündner Bergen Musik mit dem Computer gemacht. Zum Kunst-&-Medien-Studium an der ZHdK führten ihn die Vorlesungen an der ETH Zürich.

VON GIULIA ADAGAZZA
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Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für den Studiengang Kunst & Medien entschieden?
Andri Schatz: Schon in meiner Jugend habe ich Musik, Bilder und Videos mit dem Computer produziert. Ich habe also mein Leben lang Kunst gemacht, dies aber nie so genannt. Ein Medizinstudium brach ich ab, weil neben dem Studieren keine Zeit für anderes mehr blieb. Danach belegte ich eineinhalb Semester Architektur an der ETH, an der mir die Kunstvorlesungen einen Kunstbegriff jenseits des gymnasialen Gestaltungsunterrichts näherbrachten. So entschied ich mich in der Folge, an die ZHdK zu kommen.

Wurden deine Erwartungen an das Studium bis jetzt erfüllt?
Grundsätzlich ja. Während des Studiums lernte ich Medienkunst erst richtig kennen. Da ich bereits gut zwölf Jahre Erfahrung mit computerbasierter Klangarbeit habe und die Technologien sehr gut kenne, unterstütze ich im ZHdK-Sonic-Lab andere Kunststudierende bei ihren Projekten. Sound ist ein schwieriges, aber mächtiges Medium. Es ist flüchtig, unausweichlich und schwieriger zu decodieren als Bilder oder Skulpturen. Daher trifft es uns oft direkter.

Woran arbeitest du gerade?
Ich bereite eine Performance für mein Diplomprojekt vor, die ich im Rahmen der Diplomausstellung am 6. Juni um 21 Uhr auf der Dachterrasse des Toni-Areals zeigen werde. Das Thema Posthumanismus spielt dabei eine wichtige Rolle. Während ich regungslos auf einem Stuhl sitze, misst ein Kopfband meine Hirnströme. Ein weiteres Gerät nimmt die internen Signale einer Schopftintling-Pilzkolonie auf, die neben mir platziert ist. All diese Daten wandelt eine Software dann in Licht, Ton und Bewegung um. Zwei komplett verschiedene Lebewesen – der Pilz und ich – werden während dieses Duetts auf dieselbe performative Ebene gestellt. Neben dem Studium arbeite ich an verschiedenen Installationen und Performances und produziere und spiele unter dem Künstlernamen LÆIF Techno, Trance und Hardcore.

Was inspiriert dich?
Inspiration finde ich eigentlich überall, aber eher selten im engeren Kunstfeld. Ein Projekt im ersten Studienjahr habe ich der Schönheit der Lüftungsgeräusche in den WCs der ZHdK gewidmet. Da ich viel zu viele Ideen habe, picke ich jeweils diejenigen heraus, an denen ich am meisten wachsen kann und die mir deshalb etwas Angst machen.

Brauchen wir Kunst?
Ja. Kunst bietet uns einen Rahmen, in dem wir radikal neue Handlungsweisen ausprobieren können, ohne dass diese wirtschaftlich funktionieren müssen.

Was willst du nach dem Studium machen?
Ich wäre gerne als Künstler, Soundproduzent, DJ, Dozent und Pilzzüchter tätig.

Dein Lieblingsort in Zürich?
Mein Schlafzimmer. Wenn ich mein Bett hochklappe, verwandelt es sich in ein Musik-, Foto- und Yogastudio. Ausserdem mag ich die Wälder in der Nähe meiner WG.