«Auf der Bühne spielen Grenzen keine Rollen»

Fotos: Regula Bearth © ZHdK.

Studierendenporträt Gerald Karni

Ein anderer Beruf als Musiker? Keine Option für Violastudent Gerald Karni. Neben seinem Musikstudium spielt er mit dem West-Eastern Divan Orchestra auf den grossen Bühnen dieser Welt. Nächster Halt: Südamerika!

VON GIULIA ADAGAZZA
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Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für den Musikstudiengang entschieden?
Gerald Karni: Ich habe mich nie bewusst für den Beruf Musiker entschieden. Irgendwann hatte ich als Kind eine Geige in der Hand, und von da an kam eigentlich kein anderer Beruf mehr infrage. Den Gedanken, dass ich mit meiner Leidenschaft tatsächlich Karriere machen kann, finde ich unglaublich!

Welche aktuellen Projekte verfolgst du?
Zurzeit musiziere ich sehr vielseitig: als Solist, in einem Quartett und in einem Orchester. Im November bin ich mit dem West-Eastern Divan Orchestra durch die USA getourt, und die nächste Tournee wird uns nach Südamerika und Europa führen. Das Besondere an diesem Orchester ist, dass es aus israelischen und arabischen Musikerinnen und Musikern besteht. Damit setzt es ein Zeichen für friedliche Lösungen im Nahostkonflikt.

Was inspiriert dich?
Die Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim, dem Dirigenten des West-Eastern Divan Orchestra. Die intensive Art und Weise, wie er Musik spürt und formt, fasziniert mich. Aber auch das Musizieren mit meinen Studienkollegen und meinem Vater inspiriert mich. Er ist Bratschist im Tonhalle-Orchester Zürich.

Wann bist du zum letzten Mal an deine persönlichen Grenzen gestossen?
Letztes Jahr konnte ich in einer Donizetti-Opernproduktion des Opernvereins Zürich mitwirken. Dabei spielte ich nicht im Orchestergraben, sondern stand auf der Bühne. Es war eine Herausforderung, das Musizieren und das Schauspielern mit Kostüm und Maske unter einen Hut zu bringen. Auf der Bühne spielen solche Grenzen dann aber keine Rolle mehr, und ich bin mit meinen Gedanken vollkommen bei der Musik.

Was würdest du ändern an der ZHdK?
Ich würde mir weniger strenge Absenzenregeln wünschen. Besonders dann, wenn man die Möglichkeit hat, für einen Auftritt ins Ausland zu reisen.