Kunst hilft, die Welt anders wahrzunehmen

Oliver Brunko. Fotos: Regula Bearth © ZHdKFoto: Oliver BrunkoFoto: Oliver BrunkoFoto: Oliver Brunko

Studierendenporträt Oliver Brunko

Oliver Brunko absolvierte das Propädeutikum und studiert im Bachelor Kunst & Medien in der Vertiefung Video/Bewegtbild. Zur ZHdK kam er über mehrere Stationen: eine Lehre als Konstrukteur im Bereich Raumfahrt, den Zivildienst und fünf Jahre Tätigkeit bei der Empa in der Materialforschung.

VON ANDREA ZELLER
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Andrea Zeller: Wieso hast du dich für diesen Studiengang entschieden?
Oliver Brunko: Für mich weisen Forschung und Kunst viele Parallelen auf. Das Spielfeld in der Kunst ist jedoch grösser, ich kann selber bestimmen, wo ich in die Tiefe gehen will. Nach meiner Zeit bei der Empa entschloss ich mich, meinem Interesse an Kunst und Gestaltung nachzugehen, und schrieb mich für das Propädeutikum ein.

Ist dein Studium so, wie du es dir vorgestellt hast?
Das Studium ist sehr frei. Wenn man neugierig ist, profitiert man davon in hohem Mass. Mich zwischen diversen Themen und Ansichten zu bewegen und dabei Neues zu entdecken, macht mir viel Spass.

Welche aktuellen Projekte verfolgst du?
Ich arbeite momentan an einem Projekt über Findlinge – grosse Steine, die von Gletschern an alle möglichen Orte transportiert worden sind. Lange wusste man das aber nicht, und es gab zahlreiche Theorien, wie die Steine dorthin gelangt sein könnten: durch den Teufel, aus Vulkanen … Erst durch die Forschungsarbeit von Geologen wurden wissenschaftliche Erklärungen gefunden. An dieser Arbeit fasziniert mich, dass wir immer nur eine Momentaufnahme eines langen Prozesses sehen. Das Gesamtbild muss mit grossem Aufwand konstruiert und verstanden werden.

Weshalb brauchen wir Kunst?
Kunst hilft mir, die Welt über ein breiteres Spektrum wahrzunehmen. Sie öffnet Themenfelder, die im Alltag wenig Diskussionsraum erhalten. Eine Auseinandersetzung damit erweitert den Blick auf Wünsche, Hoffnungen und Bedürfnisse des Menschen.

Welches Kunstwerk inspiriert dich?
Die gelben Quadrate aus Blütenstaub von Wolfgang Laib. Sie relativieren das menschliche Sein im Handeln und Bestehen. Sie bringen für mich vieles auf den Punkt.

Wo bist du am liebsten in Zürich?
Mein liebster Ort ist das Gleis 18 im Hauptbahnhof, ganz vorne. Dort ist kein Mensch, es ist sonnig und hat eine Bank, auf die ich mich setzen und auf der ich die Ruhe in der Stadt geniessen kann.