Studierendenporträt Timon Jansen

Timon Jansen studiert Regie im Master Theater. Er bringt ein Bachelorstudium der Angewandten Theaterwissenschaften aus Giessen mit. Mit seinen Stücken will er untersuchen, wie Emotionen und Denkbewegungen entstehen.

VON ANDREA ZELLER
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Andrea Zeller: Welche aktuellen Projekte verfolgst du?
Timon Jansen: Ich arbeite an meinem Abschlussprojekt «Sommergäste» nach Maxim Gorki, das vom 15. bis 17. Februar 2018 im Theater der Künste gezeigt wird. Sein Stück spielt vor der Russischen Revolution um 1904 und beschreibt eine Gesellschaft, die politisch nicht mehr handlungsfähig ist. Mich interessiert, in welcher Verbindung der Stoff zu unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft steht, besonders zur sogenannten Generation Y. Sind wir eine haltungslose Generation? Sind wir vom Wohlstand gepampert? Inwiefern wiederholt sich die Situation von 1904? Inwieweit ist die Vergangenheit Teil unserer Gegenwart?

Wieso hast du dich für den Studiengang entschieden?
Ich war bereits für ein Austauschsemester an der ZHdK und kannte daher die Schule und Zürich. Die Struktur des Studiengangs Master Theater entspricht mir: Mit Eigeninitiative kann ich viel umsetzen, besonders zusammen mit Leuten aus anderen Studienbereichen.

Was würdest du ändern an der ZHdK?
Die Schule erinnert mich oft an einen Teenager aus wohlhabendem Elternhaus. Ich würde versuchen, dem Teenager zu zeigen, dass weniger manchmal mehr sein kann.

Welches Kunstwerk hat dich zuletzt begeistert?
Immer wieder inspirierend sind für mich die Werke von Jean-Luc Godard, im Speziellen «La Chinoise». Er nimmt einen vorhandenen Stoff, der auf den ersten Blick veraltet und uninteressant wirkt, findet aber einen Aspekt, der heute noch relevant ist, und überarbeitet das Material vollkommen. Damit entwirft er eine spannende Gegenwartsvision. So möchte ich Theater machen.

Wie bereitest du dich auf ein Stück vor?
Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und nachdenken. Zeichnen, Schreiben, Spazieren oder Irgendwohinfahren helfen mir, auf Ideen zu kommen und Verbindungen zu finden. Ich inszeniere auch alles erst für mich im Wohnzimmer durch, um die Wirkung zu erproben, und nutze diese Version als Startpunkt für die Erarbeitung eines Stücks.

Welcher ist dein Lieblingsort in Zürich?
Ich mag den Bullingerplatz. Ich wohne in der Nähe und freue mich immer, mit dem Rad über den Platz zu fahren.