Im Immersive Lab erschaffen Mensch und Maschine Kunstwerke

Das Immersive Lab ist eine ringförmig angelegte 360-Grad-Installation. Sie kann Bilder und Töne wiedergeben und interagiert mit den Besucherinnen und Besuchern via Berührung. Zudem ist sie sehr anpassungsfähig und lässt sich für vielfältige Experimente nutzen. Der Schweizerische Nationalfonds SNF ermöglicht es nun, das Immersive Lab der ZHdK zu einer didaktischen Experimentierplattform für ein breites Publikum umzubauen.

VON DANIEL BISIG
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Das Immersive Lab ist eine Installation, die der Realisierung und Wiedergabe von in Echtzeit erzeugten digitalen Bildern und Klängen dient. Die Installation zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus. Die Installation ist ringförmig und präsentiert die digitalen Medien in einer die Besucherinnen und Besucher umhüllenden panoramischen Projektion. Die Projektionsleinwände sind auf ihrer ganzen Fläche berührungsempfindlich und ermöglichen das interaktive Eingreifen in die ablaufenden medialen Prozesse.

Welche Wege nehmen die Schwärme im Werk «Trails»? Im Immersive Lab können Besucherinnen das beeinflussen. Trails. Foto: Regula Bearth © ZHdK

Kreative Techniken im immersiven Umfeld erproben

Das Immersive Lab wurde ursprünglich im Rahmen des Forschungsprojekts «ISS – Interactive Swarm Space» am Institute for Computer Music and Sound Technology der Zürcher Hochschule der Künste realisiert. Seit 2012 betreibt es die Installation als offene Plattform für Ausbildung, kreatives Arbeiten und Forschung. Das Immersive Lab bietet ideale Voraussetzungen, sich mit Virtual Reality, digitalen und immersiven Medien auseinanderzusetzen und kreative Techniken in diesem Bereich zu entwickeln und zu erproben. Dazu zählen die Schaffung und die Verwendung computerbasierter Algorithmen, um mediale Inhalte automatisch zu erzeugen, das Entwerfen von Interaktionsprinzipien, die digitale Gestaltungsprozesse für Besucherinnen und Besucher verständlich und beeinflussbar machen, sowie das Gegenüberstellen und Verbinden digitaler Inhalte mit räumlichen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten.

Künstlerische Spielwiese

Im Rahmen von Workshops und künstlerischen Residenzen wird regelmässig Studierenden und etablierten Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geboten, eigene Arbeiten für das Immersive Lab zu realisieren. Auf diese Weise sind in den letzten Jahren äusserst unterschiedliche Werke entstanden. Diese Vielfalt wurde gezielt gefördert, um das breite Spektrum künstlerischer Möglichkeiten aufzuzeigen. Einige Beispiele solcher Werke sind eine an Spielkonzepte angelehnte Navigation in einer abstrakten 3D-Welt («Hyperborea» von André Sier), die Spiegelung der der Installation zugrunde liegenden kamerabasierten Erfassung der Interaktion («Mirror» von Florian Bogner), eine auf Schwarmsimulationen beruhende Verbindung von Bild, Ton und Interaktion («Trails» von Daniel Bisig und Philippe Kocher), die klangliche und bildliche Wiedergabe an Pflanzen vorgenommener physiologischer Messungen («Trees» von Marcus Maeder), eine mediale Neuinszenierung einer Tanzszene für Besucher und virtuelle Schauspielerinnen («Sozio-Natürlich» von Michael Glen und Stephanie Beattie) und ein virtueller Sound Walk durch Zürich («Sonorama» von Chikashi Miyama). Alle Werke sind auf der Website des Immersive Lab dokumentiert und werden regelmässig während Ausstellungen und Führungen einem interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Das Forschungsprojekt «Trees» macht ökophysiologische Prozesse in Bäumen hörbar – und bietet eine immersive Erfahrung. Foto: Jan Schacher © ZHdK

Austausch zwischen Kunst und Neurowissenschaften

Seit April 2017 ist das Immersive Lab zentraler Bestandteil eines durch den Schweizerischen Nationalfonds SNF geförderten dreijährigen Projekts, das einem breiten Publikum das Zusammenspiel künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung aufzeigen soll. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Swiss Center for Affective Sciences der Universität Genf und des Laboratory of Cognitive Neuroscience der ETH Lausanne soll beispielhaft aufgezeigt werden, wie wichtig der Austausch zwischen Kunst und Neurowissenschaften für das Verständnis und die Weiterentwicklung interaktiver und immersiver Medien ist. Zu diesem Zweck wird das Immersive Lab zu einer didaktischen Experimentierplattform umgebaut, die es einem ermöglicht, sich praxisnah mit Phänomenen der körperlichen Eigenwahrnehmung und der sozialen Koordination in digitalen Medienumgebungen auseinanderzusetzen. Damit kann das Projekt einen wichtigen Beitrag leisten zur Förderung von Synergien zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung im Bereich der digitalen Medien.

Wer das Immersive Lab im Toni-Areal erleben möchte, hat dazu Gelegenheit am Tag der Forschung der ZHdK am 17. November sowie im Rahmen des Schweizer Digitaltags am 21. November 2017.
Daniel Bisig (daniel.bisig@zhdk.ch) ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for Computer Music and Sound Technology der ZHdK. Er besitzt einen akademischen Hintergrund im Bereich der synthetischen Naturwissenschaften und der künstlichen Intelligenz. Zusammen mit Jan Schacher ist er für Forschung, Entwicklung und Betrieb im Immersive Lab verantwortlich.