Das #Museum

Im eMuseum kann man unter anderem Highlights der Schweizer Designklassiker entdecken. Foto: Regula Bearth © ZHdK

Im Museum ist man heute so schnell wie nie zuvor, nämlich mit einem Klick. Auch das Museum für Gestaltung ist mit Website, Social Media, eMuseum und eGuide in der digitalen Welt präsent. Dadurch wird das Museum zugänglicher, neue Geschichten lassen sich erzählen und interaktive Vermittlungskanäle tun sich auf.

VON LEONA VERONESI

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Diesen Sommer schalten das Museum für Gestaltung und das Archiv der ZHdK die neue Version von eMuseum.ch auf. Auf dieser grössten Schweizer Onlinedatenbank für Gestaltung und Kunst gibt es über 100 000 Objekte aus den Sammlungen zu entdecken. Der Fundus umfasst Plakate, Möbel, Grafik, Schmuck, Kunsthandwerk, Fotografien, Zeichnungen, Entwürfe und vieles mehr. Neben einer gezielten Suche kann auch «gestöbert» oder nach Biografien gesucht werden. Man kann seine eigene virtuelle Ausstellung kuratieren, eine Übersicht über wichtige Bestände gewinnen oder die Werke in aktuelle Themen gebündelt studieren. Und dies alles auch problemlos auf dem Tablet oder dem Smartphone.

Online und Offline – Konkurrenz oder Zusammenspiel?
Ein optimales Recherchetool also. Doch wie wirkt sich das digitale Angebot auf die Museumsbesuche vor Ort aus? Viele der Objekte im eMuseum sind ja auch regelmässig in Ausstellungen zu sehen. Die Angst, dass ein Museum mit einem kostenlosen, umfassenden eMuseum-Angebot die überlebenswichtigen Einnahmen aus Eintritten schmälert, ist vielleicht nicht ganz unbegründet. Erfahrungen anderer Museen zeigen aber, dass die positiven Effekte durchaus überwiegen können.

So zum Beispiel im Städelmuseum in Frankfurt. Seit 2015 bietet das Museum seinen Besucherinnen und Besuchern neben vielem anderem – zum Beispiel seiner digitalen Sammlung oder eigenen Youtube-Filmproduktionen – digitale Vorbereitungskurse an. Die Kurse werden rege angeschaut und geteilt, rund 280 000 Personen haben sich die Einführung zu einer Monet-Ausstellung runtergeladen, und trotzdem verzeichnete das Haus mit dieser Schau einen Besucherrekord. Das New Yorker Metropolitan Museum of Art verfügt über ein eigenes Digital Department und hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit seinem «vierten Raum», der rein digitaler Natur ist, seine Sammlungen und Ausstellungen noch zugänglicher und verständlicher zu machen. Wie «Die Zeit» bereits vor Jahren in einem Artikel bemerkt hat, ist die Furcht vor Konkurrenz durch Neue Medien Schnee von gestern. Heute zählt das Zusammenspiel von Off- und Online.

Vier digitale Standbeine für das Museum für Gestaltung
Das Museum für Gestaltung setzt auf dieses Zusammenspiel und wagt sich schrittweise auf das digitale Terrain vor. In Kürze mit vier Standbeinen: Website, soziale Medien, eMuseum und ab Frühling 2018 mit einem eGuide für die lang laufenden, auf die Sammlungen fokussierten Ausstellungen am neuen alten Standort Ausstellungsstrasse. Der eGuide ist eine webbasierte App. Während die Website der Vermittlung der wichtigsten Museumsinformationen dient und die Inhalte in den Social Media das internationale Publikum zum Austausch zu Gestaltungsthemen anregen sollen, können im eMuseum vertiefte Inhalte gefunden und recherchiert werden. Der eGuide wiederum soll die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung begleiten und multimedial und anschaulich weiterführende Informationen zu den Exponaten vermitteln.

Neue Erzählformen
Die Zeichen stehen also gut, dass mit den digitalen Medien die Erzählformen im Museum vielfältiger werden und sich neue Vermittlungskanäle auftun. Damit können die verschiedenen Gäste und deren unterschiedliche Interessen gezielter angesprochen und die Inhalte des Museums besser vermittelt werden. Nicht zuletzt schaffen das eMuseum und der eGuide eine Verbindung zwischen realem und digitalem Raum. So geht das Museum nicht nur mit der Zeit, sondern öffnet auch jüngeren Generationen ein Fenster in die Designgeschichte und vereinfacht die Interaktion mit dem Publikum. Zwar lässt sich mit der erweiterten digitalen Museumswelt (noch) kein Geld verdienen, dafür wird aber ein Mehrwert geschaffen: Wissen über Gestaltung ist für alle zugänglicher denn je.

eMuseum
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Museum für Gestaltung, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
Ab März 2018 auch an der Ausstellungsstrasse 60, Zürich
Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr
www.museum-gestaltung.ch
Leona Veronesi (leona.veronesi@zhdk.ch) ist Mitarbeiterin in der Kommunikation des Museum für Gestaltung.