Analog?

Inszenierung des sichtbaren Lichtspektrums mit einzelnen LEDs und analogen Farbübergängen, Farb-Licht-Zentrum ZHdK (www.farblichtzentrum.ch). Foto: Regula Bearth © ZHdK

Dieter Mersch, was ist analog?

Das ursprünglich griechische Wort meint eigentlich «verhältnismässig», seine lateinische Übersetzung ins Deutsche lautet «proportional». Dem liegt die Vorstellung eines kompakten Ganzen zugrunde, das kontinuierlich und dicht ist, das also nicht in Einheiten zerlegt werden kann, sondern nur stufenlose, relationale Beschreibungen erlaubt. Beispiele bilden die Farben eines Spektrums, die keine klaren Grenzen kennen, sondern ineinander übergehen und sich graduell verändern, oder auch die Handschrift, die nicht in unterschiedliche Buchstaben zerfällt, sondern ihre Worte «in einem Zug» schreibt, ohne dass zunächst erkennbar wird, aus welchen Einheiten sie besteht (man muss die einzelnen Lettern schon kennen). Im Kontrast dazu wird zumeist «digital» genannt, was von lateinisch «Finger» oder übertragen «Ziffer» stammt. Das Digitale ist nicht kontinuierlich, sondern «diskret», das heisst in einzelne Elemente unterteilbar und daher berechenbar. Grob gesagt, ist das Materielle analog und das Mathematisierbare digital.

Prof. Dr. Dieter Mersch hat Mathematik und Philosophie studiert und ist Leiter des Instituts für Theorie im Departement Kulturanalysen und Vermittlung.
Das Werk wurde von Marcus Pericin und Florian Bachmann vom Farb-Licht-Zentrum der ZHdK entwickelt.