U-Sled — Schlitteln im Sommer

Interview mit Pierre Naveau

Pierre Naveau schloss sein Masterstudium Design in der Vertiefung Produkt 2015 mit der Entwicklung eines Sommerschlittens namens U-Sled erfolgreich ab. Kurz darauf gründete er mit Adrian Locher das Start-up ALPN Design GmbH. Nach einer ersten Test- und Weiterentwicklungsphase liessen die beiden im Appenzellerland 30 Sommerschlitten produzieren. Nun geht es darum, in Bergregionen Geschäftspartner zu gewinnen, die ihren Besucherinnen und Touristen ein neues Erlebnis bieten möchten.

VON KARIN ZINDEL UND ANNINA GÄHWILER
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Annina Gähwiler: Was ist das Innovative an deinem Produkt?
Pierre Naveau: Sommerrodelbahnen gibt es zwar schon, es fehlen aber einige typischen Interaktionen des Schlittelns. Man kann weder überholen, noch Pausen machen, noch ganz einfach den Schlitten hinter sich herziehen. Daher stand die Analyse des Fahrgefühls und des Schlittelerlebnisses im Fokus meiner Arbeit. Ich fand die Projektarbeit spannend, weil ich schnell erkannte, dass diese Aktivität und damit das Produkt grosses Potenzial bergen. Die Innovation liegt im Produkt, das es erlaubt, das Erlebnis des Schlittelns auf den Sommer zu übertragen. Sie liegt aber auch bei den Nutzerinnen und Nutzern, die mit dem Kontext – Tag, Nacht, Stadt, Land usw. – spielen können. Ich bin gespannt darauf, was sie mit U-Sled alles machen werden!

Karin Zindel: In welcher Form wurdest du von der ZHdK unterstützt?
Pierre Naveau: Ich erhielt viel Unterstützung meiner Mentoren, der Vertiefung, meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Das Master-Atelier war perfekt, um erste Prototypen zu bauen, und die Werkstatt bot ideale Bedingungen, um Holzmodelle zu produzieren. Mit meinen Mitstudierenden testete ich das Fahrgefühl am Üetliberg und auf der Toni-Rampe! Nach dem Studium war dann vor allem der Creative Hub hilfreich. Seine Vertreterinnen und Vertreter besuchten uns vor Studienabschluss, worauf ich mich für ein Mentoring bewarb. Ich baute in der Folge ein wertvolles Netzwerk auf und konnte einen der Mentoren für meine Idee begeistern. Er ist bereit, in das Produkt zu investieren. Obschon ich Betriebswirtschaft studiert hatte, war es nicht mein Ziel, Unternehmer zu werden. Die ZHdK hat mich nun überraschenderweise zum Unternehmer gemacht.

Annina Gähwiler: Wie wurde aus deiner Idee ein markttaugliches Produkt?
Pierre Naveau: Ich ging davon aus, dass das Produkt am Ende des Studiums marktreif sein würde. Nach dem Abschluss musste ich aber erst das Sourcing organisieren und ein Netzwerk von Lieferanten aufbauen, um an die richtigen Einzelteile für eine hochwertige Kleinserie zu kommen. Ich ging mit dem Schlitten zu potenziellen Kundinnen und Kunden wie Bergbahnunternehmen und Tourismusorganisationen in den Schweizer Bergen. Schnell merkte ich, dass das Produkt wohl zu extrem war. Die potenziellen Benutzer sind vor allem Feriengäste, die grossteils aus dem Flachland kommen oder den Sport nicht gut genug kennen und unterschätzen, wie gefährlich das Schlitteln sein kann. Das Produkt musste daher sicherer und zugänglicher werden. Mit meinem Partner habe ich daraufhin massgeschneiderte Teile entwickelt, die eine intuitivere Benutzung ermöglichen – eine immense Investition für ein Start-up! Markttauglich zu sein ist anspruchsvoll und kostet viel Zeit und Geld. Durch das Testen und Weiterentwickeln haben wir aber zahlreiche Erkenntnisse gewonnen. Das Wichtigste aber ist, gute Partner zu gewinnen. Heute kann man den U-Sled in Parpan bei Lenzerheide ausleihen. Wir sind auch in Verhandlung mit Kunden im Berner Oberland und gehen davon aus, dass es bald mehr U-Sled-Pisten geben wird!

Wer neugierig geworden ist auf das Schlittelerlebnis im Sommer, kann U-Sled im bündnerischen Parpan testen. Das Restaurant Tschugga bietet U-Sleds in der Sommersaison zur Ausleihe an.

Pierre Naveau studierte Betriebswirtschaft (MBA in Economics) in Frankreich und arbeitete zehn Jahre im Vertrieb und Marketing. Mit dem Masterstudium an der ZHdK verwirklichte er seinen Traum, Design zu studieren.

Karin Zindel (karin.zindel@zhdk.ch) ist Designerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Master Design. Sie schreibt immer wieder für und über den Studiengang.

Annina Gähwiler (annina.gaehwiler@zhdk.ch) ist Designerin und Unterrichtassistentin in der Vertiefung Produkt des Masters Design. Zusammen mit weiteren Dozentinnen und Mentoren unterstützte sie Pierre Naveau bei der Realisierung seines Masterprojekts.