Les Suisses de Paris – Grafik und Typografie

Auf nach Paris! Diesem Ruf folgten ab den 1950er-Jahren viele Schweizer Grafiker und Typografen. Begleitend zur Ausstellung «Les Suisses de Paris – Grafik und Typografie» ist am Museum für Gestaltung eine Publikation erschienen, die zwanzig Protagonisten porträtiert, so auch den Gestalter Jean Widmer.

VON BARBARA JUNOD
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Der visuelle Gestalter, Art Director, Lehrer und Künstler Jean Widmer (*1929) ist bekannt für seine Erscheinungsbilder von Kulturinstitutionen. Nach einer Dekorateurlehre und Grafikausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich folgt er 1953 seinem Schulkollegen Peter Knapp nach Paris und übernimmt dessen Stelle bei der Verpackungsfirma Tolmer. 1955 wird er Art Director der Agentur SNIP, wo er die Werbung für Textilien auffrischt. Nach einer New York-Reise bekommt er 1959 den Zuschlag für die Art Direction des Werbeateliers der Galeries Lafayette, das er neu auf Imagewerbung ausrichtet. 1961 wechselt er zum Magazin Jardin des Modes, einem Damenmagazin, aus dem er eine moderne Frauenzeitschrift macht und für die er internationale Talente – Modeschöpfer, Fotografen, Illustratoren und Grafiker – anheuert. Ab Mai 1968 nimmt das Magazin einen Strategiewechsel vor, woraufhin Widmer sich 1969 selbstständig macht. Er erhält den Auftrag zur Gestaltung der Plakate und des Erscheinungsbildes des Centre de création industrielle, wodurch sich sein Berufsfeld neu ausrichtet. 1973 gründet er die Agentur Visuel Design, die sich mit staatlichen Aufträgen profiliert, die sie in zahlreichen Wettbewerben gewinnt, so etwa den Auftrag für die touristische Animation der Autobahnen (1972–1978), für das Erscheinungsbild und die Signaletik des Centre Georges Pompidou (1974–1977, mit E+U Hiestand), des Musée d’Orsay (1983–1987, mit Bruno Monguzzi), des Conservatoire national supérieur de musique et de danse (1989–1991) oder der Bibliothèque nationale de France (1994). Widmer gründet 1968 den Fachbereich Visuelle Kommunikation an der École nationale supérieure des arts décoratifs (ENSAD), wo er 1960–1996 als Lehrer tätig ist. Ausserdem unterrichtet er 1997–2006 am Atelier national de recherche typographique (ANRT) in Nancy. Seine Leistungen sind national und international preisgekrönt.

Weitere Porträts von Paris-Schweizern sind in der Publikation oder in der Ausstellung zu finden.

 

«Les Suisses de Paris – Grafik und Typografie»
4. November 2016 bis 19. März 2017
Museum für Gestaltung, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr
Mittwoch 10–20 Uhr

Die Ausstellung zeigt Kreationen, die in schweizerischen und internationalen Teams sowie in engem Austausch mit den Pariser Arbeitgebern entstanden sind. Zu sehen sind Arbeiten aus den Bereichen Editorial Design, Fotografie, Film, Werbegrafik, Szenografie, Erscheinungsbild, Signaletik, Typografie und Schriftgestaltung.

www.museum-gestaltung.ch

Begleitend zu dieser Ausstellung ist in der Reihe «Sammeln heisst forschen» eine Publikation erschienen, die 20 Gestalter porträtiert, die mehrjährig oder dauerhaft in Paris arbeiteten oder hier hier immer noch aktiv sind. Dazu kommen sieben interdisziplinäre Fallbeispiele, die zeigen, dass diesen Schweizern immer wieder prestigeträchtige Aufträge anvertraut wurden. Schliesslich gibt ein fundierter Essay aus französischer Sicht Einblick in die Rezeption der Schweizer Grafik in Frankreich.

«Les Suisses de Paris – Grafik und Typografie»
Museum für Gestaltung (Hg.), D/F, CHF 23

Barbara Junod ist Kuratorin der Grafiksammlung des Museum für Gestaltung.