Performing for the Camera: Romain Mader

Ausstellung in der Tate Modern

Maders Fotoserien pendeln zwischen Fiktion und Dokumentation und schrammen gnadenlos die gängigen Klischees von Geschlechterrollen und Beziehungszauber. Sie erzählen mit Ironie von der Suche nach der grossen Liebe, von Einsamkeit und einer eisernen Reserve Romantik, an der durch alle Kompromisse hindurch festgehalten wird. Die Tate Modern hat den Master-Fine-Arts-Studenten nach London eingeladen.

VON CLAUDIA KÜBLER UND JOHANNA BRUCKNER

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Er setze sich immer an einen grossen Tisch, erklärt Romain Mader, damit mit Sicherheit Platz da sei für eine mögliche neue Bekanntschaft, die man vielleicht als Begleitung und dann als Geliebte nach Hause führe, der man einen Hochzeitsantrag machen könnte, am Fusse des Matterhorns.

Wer das Glück nicht findet, kann es sich auch kaufen – zum Beispiel in der Ukraine, in Form von langen Beinen, blondem Haar und grünen Augen, deren Blicke elektrisieren. Denn da wohnt das Glück – in einer Stadt, wo alle Mädchen bestürzend schön sind und denselben Namen tragen: Ekaterina.

Johanna Bruckner: Was genau stellst du in der Tate Modern aus?
Romain Mader: In der Ausstellung «Performing for the Camera» werden Fotografien von mir und meiner Frau, die ich während meiner Reise in die Ukraine kennengelernt habe, gezeigt. Ich habe dort eine Anzeige aufgegeben, um eine Frau zu finden – am liebsten blond, single, auf der Suche nach einem reichen Mann aus dem Westen. Schon bald habe ich meine Frau Ekaterina gefunden und zu mir in die Schweiz eingeladen, wo ich sie geheiratet habe.

Die Klischees von Sextourismus in östlichen Ländern habe ich mit der Ausstellung der Fotografien in der Tate auf die Spitze getrieben. In Zusammenarbeit mit der Tate habe ich das Szenario dann in London auf ähnliche Weise wiederholt, um ein Video zu drehen – diesmal habe ich aber eine Schauspielerin per Anzeige eingeladen, den Valentinstag und ein Wochenende zusammen mit mir zu verbringen.

Romain Maders Bildserie «Ekaterina» ist in der Ausstellung «Performing for the Camera» in der Tate Modern noch bis zum 12. Juni 2016 zu sehen. Zusätzlich sind seine Arbeiten noch bis 1. Juli 2016 in der Coalmine in Winterthur ausgestellt.

«Performing for the Camera»
18. Februar bis 12. Juni 2016
Tate Modern, Bankside, London
Sonntag–Donnerstag 10–18 Uhr, Freitag–Samstag 10–22 Uhr
www.tate.org.uk
Einblicke auf TateShots

«Wannabe» – Romain Mader und Jenny Rova
15. April bis 1. Juli 2016
Coalmine – Forum für Dokumentarfotografie, Turnerstrasse 1, Winterthur
Montag–Freitag 8–19 Uhr, Samstag 11–16 Uhr
www.coalmine.ch

Claudia Kübler (claudia.kuebler1@zhdk.ch) und Johanna Bruckner (johanna.bruckner@zhdk.ch) sind Künstlerische Assistentinnen im Master Fine Arts, Departement Kunst & Medien. In unterschiedlichen Ländern geboren, an unterschiedlichen Schulen ausgebildet, teilen sie nun Arbeitstisch, Kaffeetassen und die Liebe zur Kunst.